Wie ich fast von meinem Balkon im 6. Stock gesprungen wäre

Ich habe immer gerne gespielt. Als Kind MauMau und „Mensch Ärgere dich nicht“. Später dann „Die Siedler von Catan“ oder Risiko. Als ich Mitte 20 war, hat mich ein ganz besonderes Spiel fasziniert: Texas Holdem NoLimit Poker. Das besondere dabei, man kann in einer Runde sehr viel gewinnen aber auch alles verlieren. 

Damals, in 2007, wohnte ich mit Freunden in einer WG. Wir spielten fast jedes Wochenende Poker in der Küche. Nach und nach kamen mehr Leute dazu und bald wurde es zu eng. Ich fragte in einer Kneipe, ob wir dort spielen können. „Na klar, warum nicht. Ich mache die Getränke und Du bekommst den Raum“, war die Antwort des Wirts.

Ich druckte ein paar Flyer und beim ersten Turnier waren wir 30 Menschen. „Nicht schlecht für den Anfang“, dachte ich mir „Vielleicht geht da noch mehr?“.

Also machte ich ein zweites Turnier, mehr Flyer, Plakate und eine Webseite. Daraufhin kamen schon 50 Leute. Das dritte Turnier machte ich dann an einem anderen Ort und nannte es „Poker Stadtmeisterschaft Hannover“. Daraufhin kamen 80 Leute. Danach veranstalte ich wöchentliche Turniere in verschiedenen Lokalen. Bald lief fast jeden Tag irgendwo in der Stadt ein Pokerturnier von mir.

Der größte Erfolg war ein Turnier mit 300 Teilnehmern im Ballsaal eines großen Hotels.

„Eure Turniere spiele ich am liebsten! Ihr gebt euch wirklich Mühe um die Spieler und eure Kartengeber sind besser als im Spielcasino!“, berichtete mir damals ein Stammgast.

Es lief also ziemlich gut.

Jedoch zieht Erfolg Neider mit sich. Einige Spieler und Mitarbeiter steckten die Köpfe zusammen und machten ihr eigenes Ding. Plötzlich waren die Hälfte meiner Mitarbeiter und Spieler weg. Die schönen Zeiten waren auf einmal vorbei und es machte keinen Spaß mehr.

All das, wofür ich jahrelang gearbeitet habe, war mit einem mal weg.

Mein Baby war nicht mehr dasselbe.

Daraufhin fiel ich in ein tiefes Loch. Ich fühlte mich wertlos und minderwertig. Selbstzweifel und Versagensängste nagten an mir. Ich war ausgebrannt und wurde depressiv.

Trotzdem liefen die Turniere noch weiter. Der zweite Geschäftsführer machte alleine weiter. Allerdings gab es dabei ein Problem: Ich war immer noch als Mit-Geschäftsführer der UG eingetragen.

So liefen die Turnier ohne mein Zutun ein ganzes Jahr. Ich verließ mich auf meinen Geschäftspartner. Jedoch war das keine gute Idee.

An einem verregnetem Tag im Herbst klingelte es an meiner Tür. Vor mir steht ein grau gekleideter Mann. Der Finanzbeamte hält mir einen Brief vor die Nase und fordert: „Sie sind doch der Geschäftsführer der UG!

Sie schulden uns 40.000 Euro Steuern!

Das Geld hätte mein Geschäftspartner längst bezahlen müssen. Er hat es aber lieber für sich selbst ausgegeben. Deshalb wollte das Finanzamt das Geld von mir.

Daraufhin fiel ich ins bodenlose Elend. Meine Verfassung war eh schon schlecht. Die plötzlichen Schulden multiplizierte mein Leid um ein vielfaches.

An die Tage danach kann ich mich nicht gut erinnern. Allerdings ist mir eine Nacht noch sehr bewusst:

Ich saß tagelang alleine zu Hause, starrte an die Wand und heulte.

Mit rot verquollenen Augen ging ich auf meinen Balkon und starrte sechs Stockwerke in den Abgrund.

„Kann das eine Lösung sein?“ fragte ich mich. Mit verschwommenem Blick schwankte ich an der Brüstung vor und zurück und blickte leer in die dunkle Tiefe.

Plötzlich hatte ich wieder einen klaren Gedanken: „Willst Du das wirklich tun? Willst Du diese Entscheidung treffen? Deine Eltern und deine Schwester müssen damit leben.

Nur Du hast jetzt die Möglichkeit etwas zu ändern. Niemand anders.

Ich ging zurück in die Wohnung, legte mich ins Bett und verfiel in einen trockenen, traumlosen Schlaf.Am nächsten Morgen beschloß ich mir Hilfe zu holen und nahm über meine Eltern einen Kredit auf.

Im Verlauf der Zeit machte ich verschiedene Therapien, begann mich zu hinterfragen und suchte nach mir selbst.

In diesen Monaten und Jahren danach habe ich viel über mich gelernt. Ich begann mit Meditation, Yoga und las spirituelle Bücher und Bücher zur Selbsthilfe. Ich lernte die Coaching Methoden, die mir halfen meine Krise zu überwinden und besuchte Seminare über Persönlichkeitsentwicklung. Ich lernte NLP, WingWave und Hypnose. Ich verschlang Videos und Podcasts, alles nur damit ich nie wieder so eine Nacht erleben muss.

Aus dieser Nacht habe ich zwei wichtige Dinge gelernt.

1) Ein Gedanke kann alles ändern

2) Nur ich selbst kann meine Zukunft bestimmen 

Deshalb helfe ich Menschen ihr Selbstbewusstsein und die Emotionale Intelligenz zu fördern. Damit Querdenker glücklich sind!