Keine Ahnung von garnichts

Mit 16 stand ich im Büro meines Vaters. Er saß in seinem schweren Chefsessel mit dem Rücken zu mir. Das Leder knirschte fordernd, als er sich zu mir umdrehte und fragte: „Warum willst Du die Firma später nicht übernehmen?“

Schon lange stand diese Frage im Raum. Sollte das mein Leben werden? Gefangen in Hämelerwald? Ein 5.000 Seelen Ort zwischen Hannover und Braunschweig?

Ich hatte andere Pläne. Ich wollte es selber schaffen, mein eigenes Leben leben und damit erfolgreich sein.

„Ich habe doch keine Ahnung von dem ganzen Zeug. Teppichböden, Linoleum, Nadelvlies“ antwortet ich schüchtern und nervös.

Seine Antwort kam schnell und überraschend: „Ich doch auch nicht!“.

Meinem Vater war nicht bewusst, welchen Einfluss die Worte auf mein späteres Leben hatten.

In mir ratterte es: „Ich muss also nicht alles wissen um ein Unternehmen zu führen?“

Das klang für mich nach einer Freikarte ins Unternehmertum.

Wenn er das kann, dann kann ich das auch. Auf meine Weise.

Wo bitte gehts zum Geld?

In der Wohnküche einer Studenten WG in Hannover sitzen 6 sonnenbebrillte Gestalten um einen grünen Filztisch. Die Luft ist geschwängert von Whiskey und Gras. Plastikchips gleiten durch geschickte Finger ineinander. Das klackernde Geräusch erfüllt den Raum mit Las Vegas Atmosphäre.

„All-IN“ durchdringt eine Bruststimme die konzentrierte Stille. „Call“ kommt es entschlossen von der anderen Seite des Tisches.

Texas Holdem No Limit Poker erobert gerade die Welt. Überall sprießen kleine Pokerrunden aus dem Boden. Ich bin fasziniert von dem Spiel und den Möglichkeiten.

In meiner Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann bin ich im letzten Ausbildungsjahr. Ich bin körperlich in der Firma, im Kopf habe ich allerdings andere Pläne.

Während meiner Arbeitszeit bastele ich an meiner Poker Firma, gestalte die Website und recherchiere nach den besten Strukturen für Turniere.

Warum sie mich nicht abgemahnt haben, weiß ich nicht. Vielleicht aus Faulheit, vielleicht bewundern sie mein Engagement. Allerdings kappen sie meine Internetleitung. Egal, dann bin ich eben krank und mache zu Hause weiter.

Ich bin besessen davon große Pokerturniere auf die Beine zu stellen.

Von privaten Pokerrunden geht es über Kneipen hin zu Ballsälen in Hotels. Innerhalb von drei Jahren wächst „All-In Poker“ zum größten Pokerturnier Anbieter in Norddeutschland.

Bis zu 1.000 Menschen spielen jeden Monat bei meinen Turnieren.

Aufbau Pokerturnier vor dem Start

Mit dem Erfolg kommen die Probleme

Nebenbei erfahre ich, dass sich die Hälfte meiner Croupiers zusammentun und eigene Turniere veranstalten. Mit einem mal sind 50% meiner Unternehmung weg. Die Angestellten und auch die Spieler.

So muss sich eine Kastration anfühlen. Von heute auf morgen sind jahrelange Arbeit und Schweiß für die Katz.

Einer meiner engsten Mitarbeiter fragt mich: „Wie hältst Du das aus? Ich hätte schon längst hingeschmissen.“ Darauf weiss ich keine Antwort. Ich verstehe die Frage nicht.

Also arbeite ich härter an meiner Idee und werde härter zu mir selbst und den Menschen um mich herum. Ich habe keinen Spaß mehr. Ich will Rache und es „denen“ zeigen.

Dabei bin ich von den wenigen Menschen isoliert, die noch an meine Idee glauben. Ich werde misstrauisch und vertraue Niemanden.

Wer schonmal Al Pacino in „Casino“ gesehen hat, muss sich mir zu der Zeit so vorstellen: über den Dingen thronend, abgetrennt in einer inneren Welt aus Wahn und Wirklichkeit.

Zu der Zeit bin ich depressiv. Ich bin ausgebrannt, aber mache trotzdem weiter. Gier und Scham treiben mich dazu, obwohl mein Herz in eine ganz andere Richtung will.

Das Ergebnis waren schwarze Gedanken. Seelische Schmerzen, die mein ganzes Dasein beherrschen. Ein Strudel aus Negativität und Panikattacken. Ich existiere nur als Hülle, aber nicht mehr als Mensch mit Gefühlen.

Ich dachte an Suizid

Eines Abends stehe ich verheult auf meinem Balkon und starre 6 Stockwerke in die Tiefe. „Wie schön es wäre, wenn jetzt alles vorbei ist.“ denke ich bei mir.

Zeigleich bemerke ich eine andere Stimme in mir. „Denk an deine Eltern und deine Schwester. Wie würde es denen wohl gehen, wenn Du das jetzt tust? Sie haben keine Wahl, Du hast sie schon!“

In dem Moment wird mir klar, dass es meine Entscheidung ist, wie mein Leben weiter verläuft.

Aus Angst, dass sich mein Unternehmen ganz in Luft auflöst und die ganze Aufregung für umsonst war, begehe ich einen Fehler. Ich gründen eine UG mit einem Mitarbeiter als gleichberechtigte Gesellschafter und Geschäftsführer.

Ich wende mich anderen Aufgaben zu. Weg von dem Versuch aus einem Hobby einen Beruf zu machen und hin zu meiner wahren Leidenschaft. Also gebe ich die Kontrolle ab, obwohl ich auf dem Papier noch voll haftbar bin.

Meine Leidenschaft war immer die Fotografie. Da ich nun Zeit dafür habe, nehme ich Aufträge als Foto Assistent in der Werbefotografie an.

Eine spannende Zeit beginnt, in der ich viel lerne. Allerdings wird die Belastung nicht weniger, sondern größer. In mir spüre ich, dass im Untergrund etwas brodelt. Das Poker Thema ist noch nicht abgeschloßen.

Ich suche schon seit einer Weile psychologische Hilfe auf. Über Recherchen komme ich auf das Thema ADHS. In Gruppensitzungen wird mir vermittelt, dass ich die „Krankheit“ habe und nehme Ritalin.

Allerdings löst dass nicht meine Sorgen. Das Aufmersamkeitsdefizitsyndrom ist nicht mein Problem. Was mir fehlt geht tiefer und ist nicht durch Medikamente zu lösen.

Die Entdeckung des Unbekannten

Über einen guten Therapeuten öffnete sich mir eine neue Welt.

In einer der Therapie Sessions sitze ich meinem Coach gegenüber. Mit einem kinesiologischem Test prüft er die Reaktionen meines Unterbewusstseins.

Dabei stellt er mir Fragen und testet die Zugkraft meiner Finger. Schwache Kraft bedeutet eine Stressreaktion des „Systems“. Über Augenbewegungen lösen wir dann die emotionale Verbindung auf.

Ein Erlebnis ist mir in besonderer Erinnerung geblieben.

Nach einer Weile muss mein Coach keine Fragen mehr stellen. Er muss nur daran denken und bekommt eine Antwort von meinem Unterbewusstsein.

„Wie kann das funktionieren?“ frage ich mich. „Wie kann es sein, dass er nur an eine Sache denken muss, um eine Antwort zu bekommen?“

Ziemlich verdattert gehe ich nach Hause und lege mich schlafen.

In der Nacht habe ich einen eindringlichen Traum.

Ich bin alleine im Wald. Auf der Flucht, ausgehungert und abgemergelt. Ich trage eine Uniform und höre fremde Stimmen durch den Wald hallen. Ich verstecke mich im Unterholz bis zum nächsten Morgen. Dann irre ich tagelang herum und weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin ein Feind und habe Angst getötet zu werden. Aus einem Versteck beobachte ich einen Flüchtlingstrack in einiger Entfernung. Es sind Kriegsgefangene, die in ein Lager gebracht werden. Ich stehe vor der Wahl alleine in der Wildnis bei klirrender Kälte zu verhungern oder mich zu ergeben. Ich wähle die zweite Möglichkeit und schmugel mich unter die Kameraden.

An mehr kann ich mich aus dem Traum nicht erinnern.

Es geht noch schlimmer

Ich assistiere, fotografiere und helfe ab und zu im Familienbetrieb aus.

Meine Pokerfirma besuche ich einmal im Monat für eine Besprechung. Ich verlasse mich leichtgläubig auf die Berichte meines Geschäftspartners.

Ein ganzes Jahr geht in Land. Dann kommt ein Brief des Finanzamts. Mein Geschäftspartner hat ein ganzes Jahr lang keine Umsatzsteuer angemeldet. Sie fordern 40.000€. Das Geld ist nicht in der Firma, da wo es sein sollte. Als Mit-Geschäftsführer bin ich dafür haftbar.

Zum Glück habe ich zu der Zeit schon psychologische Hilfe. Andernfalls wäre ich wahrscheinlich spätestens jetzt vom Balkon gesprungen. Zusammen mit meinen Eltern kann ich das Geld aufbringen und kaufe mich aus der Nummer raus.

Allerdings nagen jetzt große Selbstzweifel an mir. Mein Abenteuer Unternehmertum ist aus. Statt Freiheit und Reichtum fühle ich mich abhängig und wertlos.

Ein Lichtschein am Horizont

Durch meinen Coach bekomme ich Abstand und beschließe auf Reisen zu gehen. Ganz auf der Höhe bin ich allerdings nicht. Mein Besuch in Südafrika ist deshalb mehr eine Flucht als Entspannung.

Ich freunde mich mit einem Busfahrer an und besuche einen der größten Slums des Landes in der Nähe von Kapstadt.

Vielleicht wollte mir mein Guide eine Falle stellen, als auf einmal mitten im Slum das Auto nicht anspringt. Ich soll aussteigen und anschieben. Mit dem Hinweis auf meine schlabberigen Flip Flops, setze ich mich ans Steuer und er schiebt an.

Bei meiner Canyoning Tour bin ich emotional abwesend. Wir schwimmen durch reißende Strömungen entlang an wildbewachsenen Schluchten und springen von 20 Meter hohen Klippen. What the Fuck! Ich sollte vor Glück schreien, aber ich bin nicht lebendig. Innerlich bin ich tot.

Bei meinem Fallschirmsprung checke ich mehrfach ob die Sicherungen des Tandemgeschirrs auch wirklich geschloßen sind. Mein Guide beäugt mich skeptisch bei meinen Verrenkungen. Der Sprung ist kurz und ich simuliere so etwas wie Freiheit. Wirklich spüren kann ich es jedoch nicht.

Ich reise in den kommenden Jahren noch nach Thailand, Malaysia, Singapur und Indonesien. Ich habe das Gefühl etwas nachholen zu müssen. Ein Teil, den ich in meinen Zwanzigern verpasst habe, will jetzt gelebt werden.

Ich erlebe ein paar Abenteuer und sammle Erinnerungen. Bei mir selbst angekommen bin ich dadurch jedoch nicht.

Von den Großen lernen

Ich lerne eine faszinierende Person kennen, beziehungsweise lese ein Buch von ihm. Tony Robbins, einer der bekanntesten Motivationscoaches des Welt. Von seinen Ideen begeistert, erfahre ich, dass man seine Technik lernen kenn. Sie heißt NLP – Neuro Linguistisches Programmieren.

Im handumdrehen finde ich einen Kurs und melde mich an. Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

In dem Kurs lerne ich viel über mich und finde andere spannende Themen. Ich besuche ein Seminar von Tony Robbins, dafür fliege ich nach London. Die Erlebnisse dort beeindrucken mich sehr. Allerdings kommt nach einen Hoch auch wieder ein Tief. Als ich wieder zu Hause bin, falle ich in ein tiefes Loch.

Emotional bin ich noch instabil. Zum Glück ändert sich das im Laufe der Zeit. Ich mache den zweiten NLP Kurs und besuche weitere Seminare. Persönlichkeitsentwicklung ist ein großer Teil meines Lebens geworden.

beim Meditieren

In der Stille liegt die Kraft

Bald entdecke ich in einem Buch die Organisation „Toastmasters“. Sie hilft Menschen dabei ihre innere Stimme zu finden und sich auszudrücken. Ich gehe zu einem Treffen und bin sofort Feuer und Flamme. Hier sind Menschen, die sich verändern wollen und nach vorne gehen. Menschen die sich positiv unterstützen und dir deinen Erfolg gönnen.

Hier fühle ich mich pudelwohl. Der Club begleitet mich seit dem. Während ich dies hier schreibe bin ich aktuell der Präsident des Hannover Speakers Toastmaster Clubs und im nächsten Jahr Area Direktor von 3 Clubs.

Über die Toastmasters lerne ich interessante Menschen kennen und höre zum ersten mal von „Vipassana“. Das ist eine 2.500 Jahre alte Meditationstechnik, die von Buddha wieder entdeckt wurde.

Mein erster 10 Tage Schweige- und Meditationskurs ist eine Qual. Während des Kurs meditiere ich 10 Stunden am Tag. Wir starten um 4:30 und gehen um 21:00 ins Bett. Dabei reden wir mit Niemanden und haben keinen Kontakt zu Außenwelt. Das ganze läuft auf Spendenbasis, damit das Ego keinen Grund hat sich zu beschweren.

Meine Erlebnisse aus dem Vipassana Kurs beschreibe ich in diesem Buch. Klicke hier für das Buch

Eine neue Zeit bricht an

Im Laufe der Zeit besuche ich zwei weitere Kurse. Die Verbindung mit meiner Ausbildung, die vielen Coachings und Seminare, sowie Erfahrungen der täglichen Vipassana Praxis (ich meditiere täglich min. 1–2 Stunden) nutze ich nun um Menschen zu helfen, sich auf das wesentliche in ihrem Leben konzentrieren zu können.

Vielen Menschen fällt es schwer ihr authentisches Selbst ausleben zu können. Deshalb helfe ich Menschen dabei in ihr „echtes Leben“ zu kommen. Herauszufinden wer sie sind, was sie wirklich wollen, Menschen inspirieren und die Welt verändern.

Entdecke deine Stärken

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